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Robe à la française

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Missionsname: Das Marie Antoinette Kleid, da ich im Moment von dem bald im Kino erscheinenden Film total inspiriert bin
Missionsname 2: 'Die Nicht-Augenschmerzen-verursachende bunte Francaise'
(weil ein Freund von mir mich anrief, und als ich ihm erzählte, daß ich eine rotgrüne Francaise machen würde, meinte er nur "Aua! Das tut doch an den Augen weh!" - Nein, mein Freund, tut es nicht, Zumindest tun mir die Augen nicht weh, wenn ich es ansehe ;-) )

Auch, wenn meine Lieblingsepochen Elizabethanischg und Viktorianisch sind, so finde ich doch einige Sachen aus anderen Epochen ebenfalls sehr attraktiv (was unzweifelhaft auch anhand meiner Liste geplanter Kostüme erkennbar ist).

Wie beispielsweise die Robe à la française, welche um 1750 herum getragen wurde.

Vor einigen Jahren - das muß so um 1999 herum gewesen sein - habe ich schon mal eine gemacht; diese hier:

Damals hatte ich einen *sehr* schönen Stoff für das Kleid (welches ich später übrigens irgendwann auf Ebay verkauft habe) - aber das Kleid hatte jede Menge Konstruktionsfehler, die ich heute wohl nicht mehr machen würde.

Zum Beispiel habe ich das Schnittmuster falsch vergrößert, so daß das ganze Kleid ein gutes Stück zu kurz war - das ist besonders gut am Petticoat erkennbar, welcher aus gutem Grunde auf fast allen Bildern nicht richtig zu sehen ist. Für das einzige Bild, auf dem er bis zum Boden erkennbar ist, bin ich leicht in die Knie gegangen, damit der Saum wenigstens fast am Boden ist. Noch ein Hinweis darauf, daß der Schnitt zu kurz und ich nicht willig war, die Sache zu verlängern, ist die Tatsache, daß der Ausschnitt zu hoch sitzt - für das hübsche Bild mit der Katze habe ich den Ausschnitt fast gewalttätig nach unten gezogen.
Die Ärmelrüschen sind zu klein, ebenfalls ein Ergebnis der Falschvergrößerung des Schnittes.
Die Compère (das falsche geknöpfte Vorderteil) ist in keiner Weise versteift.
Die Ärmel waren *viel* zu eng - ich schwöre, daß meine Finger gekribbelt haben, weil der Blutzufluss gestört war - meinen Arm anzuwinkeln, war fast unmöglich.
Und dann trage ich zu dem Kleid auf dem Bild auch noch moderne Unterwäsche. Robe à la Francaise - Fans - ihr werdet Euch wahrscheinlich krümmen, wenn ich hier heruntertippere, daß ich zu dem Kleid einen modernen, A-förmigen Brautreifrock trage anstelle von Poschen oder Panier oder ähnlichem.
Naja, aber das zeigt ja eigentlich nur, daß niemand mit dem Wissen über Kostüme geboren wird, was man sich im Laufe der Zeit so anlernt... Und die Zeit hilft, Fehler zu erkennen und nicht noch einmal zu machen, richtig?

Der Stoff war definitiv wunderschön - und ich bin sehr traurig, daß ich davon nicht noch mehr hatte und / oder bekommen kann.

Als ich dann aber irgendwann mal meinen Weg durch meine Stoffsammlung wusch - was ich alle paar Jahre mal mache, um den Staub daran zu hindern, sich entgültig festzusetzen - da fand ich etwa 12 Meter eines Stoffes, den ich schon fast vergessen hatte, seit ich ihn etwa im Jahre 2000 auf Ebay gekauft hatte.

Die Tatsache, daß fast 12 Meter Stoff in meiner Sammlung für über 6 Jahre einfach mal verschwinden können, sollte Euch etwas über meine Stoffsammlung sagen, glaube ich... *lol*...

Der Stoff ist sehr weich, mit einer flanellartigen Oberfläche, aber dennoch leicht steif; eine elfenbeinfarbige Baumwolle mit feinen gedruckten Streifen mit geometrischen Mustern in rosé-wein und moos-dunkelgrün.
Es ist ein wunderschöner Stoff, und die Tatsache, daß er nur 72 cm breit gewebt ist, hilft mir nicht besonders dabei, herauszufinden, wozu er ursprünglich gebraucht worden sein könnte.
Ich habe auch keine Idee, wie alt er sein könnte, denn neu war er definitiv nicht, als ich ihn als 'Vintage' auf Ebay kaufte, was dort eine ganze Menge bedeuten kann. Vom Muster her würde ich den Stoff auf ca. 1910 datieren; aber anhand des Zustandes könnte er eigentlich nicht älter sein als 20 Jahre... er ist, wie geschrieben, etwas schwierig zu datieren.

Hier ist ein Bild des Stoffes:


Die Streifen sind jeweils etwa 2,5cm breit.

...schön, nicht?

Dann stolperte ich irgendwann wieder über das Schnittmuster, welches ich für die oben gezeigte Francaise benutzt hatte. Es ist aus 'Patterns of Fashion' und siehr dort gezeichnet wie folgt aus (vergleicht das mit dem Kleid oben und erkennt dann, warum ich schrieb, daß ich die Ärmelrüschen nicht richtig vergrößert hatte!):

Naja, das Schnittmuster hat auch in falscher Vergrößerung schon mal gut für mich funktioniert - ich nahm also an, daß es noch besser funktionieren müßte, wenn ich es diesmal korrekt vergrößern würde ;-)

Da ich aber nur etwa 12 Meter von diesem nicht sehr breiten Stoff hatte, mußte ich schon vor dem Schneiden sehr genau planen.

Ich entschied mich also für dies:

  • Das komplette Überkleid, mit Ausnahme der gerüschten Trims, aus dem Stoff zu schneiden;

  • dies Überkleid dann mit gefältelten Organzabändern zu dekorieren - während die übliche Robe à la française mit gestanzten Streifen des Kleiderstoffes dekoriert wird, kann ich mir das ja nicht leisten, weil ich einfach nicht genug stoff habe. Es gibt aber Bilder von Francaisen, die mit Organza oder Spitzen verziert sind, also entschied ich mich, genau das zu tun.
    Erst wollte ich Samtbänder zur Dekoration verwenden (in dunkelgrün und weinrot), aber da ich keine Gemälde oder Bilder von überlebenden Francaisen finden konnte, die mit Samtbändern verziert sind, habe ich diese Idee wieder verworfen und mich stattdessen für den Organza entschieden..

  • Die Compères (Vorderseite) genau wie der Petticoat werden aus elfenbeinfarbenem Taft gemacht, der Petticoat wird mit einem breiten Streifen des Stoffes und zwei Streifen gerafftem Organza hergestellt. Auf keinen Fall habe ich genug bedruckten Stoff, um auch nur einen Petticoat damit zu faken (was mir irgendwie schrecklich leid tut).

  • Natürlich werde ich diesmal die korrekte historische Unterwäsche mit dem Kleid tragen - eine Chemise, Rokoko-Stays und Tashenkörbe. Da ich diese Sachen ja schon mal für mein geplantes goldenes 'Piraten'-Kleid gemacht habe, werde ich sie auch für dieses Kleid hier benutzen - wie ich sicherlich schon mal an anderer Stelle erwähnte, ist Barock/Rokoko nicht wirklich meine Epoche, und daher sehe ich momentan keinen Zwang, mir einen weiteren Satz Unterwäsche zu machen, wenn's der von einem anderen Projekt auch tut.

Die Arbeit an dem Überkleid ging schneller als erwartet voran - in nur einem Tag hatte ich die Grund-Francaise fertig (Ohne Petticoat, Compères und Verzierungen, natürlich). So sah das ganze dan auf der Schneiderpuppe aus (darunter befindet sich das Unterkleid meines "Visitation"-Kostümes - ja, ich mache mehrere Kostüme zur selben Zeit, ohne notwendigerweise alle wieder von der Puppe zu entfernen; danke der Nachfrage...). Natürlich sind auf dem Bild schon Taschenkörbe darunter.


Das letzte Bild zeigt den gefältelten Organza und die Rococo-Band-Verzierungen, mit denen ich das Kleid dekoriert habe, in einer Nahaufnahme.

Diese Bilder wiederum brachten mich dann auch auf die Idee, daß das Kleid auch mit weinrotem Stecker und Petticoat wunderbar funktionieren würde.

Ich finde, es sieht soweit schon mal ganz gut aus, auch wenn viele Teile noch fehlen und der Saum auch noch nicht richtig ist.
Die Dekorationen wurden übrigens durch eines der Kleider von Glenn Close aus 'Gefährliche Liebschaften' inspiriert:

und haben einen weiteren Tag Arbeit gebraucht. Die Streifen sind aus gefälteltem Organza gemacht und zusätzlich mit Rokoko-Band verziert.

Dann wurde ich von zwei weiteren Kleidern aus diesem Film inspiriert:

Erstens, eine Steckerdekoration...:

...und den Petticoat einer Statistin, welcher zusammen mit der dazugehörigen Francaise bei der Kostüm-Wanderausstellung gezeigt wurde, wovon Costumersguide ein paar wunderbare Bilder hat; schaut auf diese Seite und beachtet das rot-silber gemusterte Kleid mit dem Petticoat, der eine Art Spiral-/Kreismuster hat

Nachdem ich also von so vielen großartigen Quellen inspiriert wurde, hier mal ein Blick auf das immer noch nicht fertige Ergebnis:


Irgendwann ging mir der Organza in beiden Farben aus, und ich bin dabei, daß mir auch das Rokokoband ausgeht - das könnt ihr schön an der nicht vollständigen Spirale auf dem Petticoat erkennen.
Das wiederum bedeutet, daß zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Bildes sich bereits 50 Meter von rotem und grünem Organza-Trim sowie 10 Meter Rokoko-Band auf dieser Francaise sind. Ich warte momentan auf die Nachlieferung aller drei Materialien von meinem Lieferanten, da ich das Kleid ohne dieses Material nicht fertig machen kann.
Wahrscheinlich ist es unnötig, zu erwähnen, daß das 'Visitation'-Unterkleid immer noch unter der Francaise ist, was aber in diesem Fall einen praktischen Vorteil hat, da die Ärmel der Chemise die Ärmel der Francaise etwas füllen, so daß sie so aussehen, als wären Arme darin.

Ich muß sagen, daß ich das bisherige Aussehen des Kleides recht gerne mag, aber solange ich nicht mehr Organza und Rokokoband habe, kann ich hier nicht an den Verzierungen weitermachen.
Was mir wiederum die Gelegenheit gibt, irgend etwas anderes fertig zu machen ;-)

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